Mehr Self-Care auf Social Media, bitte! Über absurde Auswüchse im Netz und wie gefährlich diese werden können.

In den letzten Monaten macht mich eine Beobachtung auf Social Media nachdenklich.

Ich nehme pausenlos Dienstleister jeglicher Couleur auf Instagram wahr. Von morgens bis abends, Tag ein, Tag aus, von Montag bis Sonntag.

Sogar „Self-Care-Coaches“ beobachte ich dabei, wie sie mit freundlicher Stimme in ihren Instagram-Storys Dinge sagen wie: „Ihr könnt mich jederzeit hier kontaktieren. Ich bin IMMER für euch da!“

Schaut so wirklich ein vorbildlicher Self-Care-Coach aus?

Mentale Gesundheit und Self-Care sind zudem nicht nur in aller Munde, sondern werden thematisch auf zahlreichen Social Media Postings aufgegriffen. Genau. 24/7 ;).

Das Hashtag selfcare wurde auf Instagram in 54,9 Millionen Beiträgen gebraucht. Das Hashtag mentalhealth 33,9 Millionen mal. Das Hashtag practisewhatyoupreach hingegen findet nur in 9,2 tausend Beiträgen einen Platz….

Sind wir ehrlich: Viele von uns erwarten online einen „Rund-um-die-Uhr-Service“.

Warum? Vermutlich, weil es gefühlt alle erwarten und auch gefühlt alle rund um die Uhr im Netz verfügbar sind.

Der Mensch ist schließlich ein Herdentier und hat das Bedürfnis dazuzugehören. In Urzeiten war zudem Ausschluß aus der Gemeinschaft mit dem sicheren Tod verbunden. Ohne Schutz der anderen hatten wir schlechte Karten, wenn ein hungriger Haastadler vom Himmel schoss. Dies sitzt noch heute tief.

Nun befinden wir uns jedoch in 2021 und sollten spätestens dann aus der Herde ausbrechen, wenn unsere Gesundheit anfängt, Schaden zu nehmen.

Haben wir nichts gelernt von den schrecklichen Burn-Out-Fällen, die u.a. die Medien- und Finanzbranche vor einigen Jahren heimsuchten? Nicht selten endete die Überarbeitung mit Selbstmord.

Wir lassen es gerade zu, dass auf Social Media die Grenzen verschwimmen. Grenzen, die uns vor Überarbeitung, Langzeitschäden & Schlimmerem schützen.

Hand aufs Herz:

– Würden wir an einem Sonntag bei unserem Anwalt am Gartentürchen klopfen, weil wir noch eine Frage haben?

– Würden wir von unserem Steuerberater noch am Wochenende eine Antwort auf unsere Mail erwarten?

Eben.

Eine Studie der International School of Management Hamburg gibt empirische Hinweise darauf, dass eine Smartphone-Abstinenz mentales Abschalten ermöglicht und dadurch Erholung & Entspannung gefördert wird.

Gönnen wir also Unternehmen/ Selbstständigen auf Social Media und auch uns Auszeiten vom Handy!

Falls du selbst aktiv auf Social Media agierst:

– Optimiere stetig deinen Content, statt Follower auf Kosten deines Wohlbefindens zu erzielen.

– Und: Es liegt an dir SELBST, ob du dem Druck von außen nachgibst und mit Schlafmaske Business Tipps gibst oder die Marke einer Bluse nennst. Oder es eben auf „Geschäftszeiten“ verschiebst.

Solange wir nicht SELBST mit unseren „Allzeit-bereit-Gewohnheiten“ brechen, wird es so weitergehen.

Auf mehr Self-Care auf Social Media!

Deine Nicole